Kleine Romanhelden auf der Bühne

Am Abend des 28. Juni 2018 war es wieder soweit: die neuen Schulhausromane wurden auf der Bühne des Literaturhauses präsentiert. Drei Schulklassen der Stadtteilschulen am Hafen, Hamburg-Mitte und auf der Veddel kreierten im letzten Halbjahr ihren ersten eigenen Roman. Mit professioneller Unterstützung der Autoren und Schreibcoaches Birgit Utz, Jan Christophersen und Jens Eisel wurden die Schüler und Schülerinnen zu Romanhelden und stellten voller Stolz ihr eigenes Werk vor.

Entstehung des Projekts

Entstanden ist die Idee des Projekts „Schulhausroman“ in der Schweiz, wo es erstmals von dem Schriftsteller Richard Reich und 2010 in Hamburg etabliert wurde. Sich schreibend mit der eigenen oder erträumten Lebenswirklichkeit zu beschäftigen, Geschichten zu erfinden und Erlebtes literarisch zu verarbeiten, das ist eine großartige Erfahrung für Jugendliche. Mit großem Eifer, originellen Ideen und unter der Anleitung professioneller Autorinnen und Autoren – den Schreibcoaches – werden in jedem Schulhalbjahr Schulhausromane direkt im Klassenzimmer verfasst. Feierlicher Höhepunkt ist die große Abschlusspräsentation im Saal des Literaturhauses.

Bühne frei für unsere kleinen Romanhelden

Nach einem Grußwort von Projektkoordinatorin Katrin Weiland und Schulhausroman-Erfinder und Gründer Richard Reich, geht es schließlich los.

Die Klasse 8a der Stadtteilschule Hamburg-Mitte eröffnet die Lesung mit ihrem Roman „Auf ins Abenteuer“, den sie zusammen mit Jan Christophersen verfasst haben:

„Die erste Klassenreise bleibt vielen Menschen mehr in Erinnerung als die gesamte Schulzeit. Sie ist das erste große Abenteuer, die erste Reise ohne Eltern, ein Hauch von Freiheit. Die Reise nach Istanbul verläuft für die Achtklässler einer Hamburger Schule ganz anders als erwartet. Zwielichtige Gestalten, ein mit Drogen handelnder Mafiatyp, eine Popsängerin aus Argentinien – sie alle spielen in der Geschichte eine Rolle! Und für die Hamburger Schüler heißt es daher: Auf ins Abenteuer …“

Während das Publikum aufmerksam lauscht, teils wieder in die eigene Kindheit zurückversetzt, lesen die Schüler und Schülerinnen in verteilten Rollen Auszüge aus ihrer Geschichte vor. Das anfängliche Lampenfieber ist schnell vergessen und sie gehen ganz in ihren Rollen auf.

Im Anschluss begeben sich die Klasse 7a der Stadtteilschule am Hafen und Autorin Birgit Utz auf die Bühne und stellen ihren Roman „Super Natural“ vor:

„Im Jahr 2018, in der Nacht, waren sieben auserwählte Teenies auf dem Dom, und sie ahnten nicht, was bald geschehen würde. Es hat nicht lange gedauert, und es geschah: Ein riesiger Meteorit zertrümmerte Hamburg. Sie allein waren übrig. Würden sie die Stadt retten können?“

Die Zuhörer/innen sind schnell gefesselt von diesem außergewöhnlichen Science Fiction Roman und belohnen die Jugendlichen auch hier mit tosendem Applaus.

Den Abschluss macht die Klasse 8b der Schule auf der Veddel und Schreibcoach Jens Eisel. „Veddel 20539“ heißt ihr Roman:

„Eine Schulklasse, die sich auf die Suche nach der Vergangenheit begibt. Drei Jungs, die zufällig eine Schatzkarte finden, und ein Mädchen, das seinen ersten Schultag erlebt. Das sind nur einige der Figuren, die diesen kleinen Roman bevölkern. Es gibt eine alte Hütte, einen Geheimgang und eine Fischgaststätte. Es kommt zu einem Unfall, einem Einbruch und einer Verfolgungsjagd. Aber das Besondere an alldem ist der Ort, denn er ist die heimliche Hauptfigur dieser fabelhaften Geschichten. Die Hamburger Veddel liegt südöstlich der Innenstadt und grenzt westlich an den Hamburger Hafen. Vor über 130 Jahren wurde hier die erste Arbeitersiedlung der Stadt gebaut und obwohl sich hier in den letzten Jahrzehnten einiges verändert hat, scheint dennoch an einigen Orten die Zeit stillzustehen.“

Ein weiteres gelungenes kleines Meisterwerk!

Nicht nur das Publikum ist begeistert – die Schüler und Schülerinnen strahlen vor Stolz und Freude. Die kleinen Romanhelden sind überglücklich etwas Eigenes geschaffen zu haben und endlich in den Händen zu halten. Das ist ein Glücksmoment, der ihnen noch lange in Erinnerung bleiben wird – und uns auch.


Fotograf: Nils Jaspersen